Samstag, November 24, 2007

Garden of Rama / Rama Revealed

Es ist zwar schon einige Zeit her, aber ich will doch mal ein paar Zeilen zu den Büchern hier hinterlassen, die ich gelesen habe. Aus der Rama Reihe von Arthur C. Clarke, von der ich vor Jahren schon was zu Rama II geschrieben habe, habe ich nun auch die beiden letzen Bände gelesen, Garden of Rama und Rama Revealed. Arthur hat sich wieder Hilfe von dem bereits im zweiten Band als Co-Autor wirkenden Gentry Lee geholt.
Vorweg: Man sollte auch diese Bücher nicht lesen, wenn man die ersten beiden Romane nicht gelesen hat, es wird nahezu nie Zeit dafür verschwendet, etwas zu erklären, was in einem vorherigen Band schon erklärt wurde.
In den beiden Romanen, die man tatsächlich am Stück lesen sollte, wird beschrieben, wie die kleine Gruppe von Menschen, die in Rama II in die Tiefen des Weltraum flog, mit einer leicht modifizierten Version dieses riesigen Raumschiffs in die Nähe der Erde zurückkehrt. Dort ist geplant, eine große Gruppe von Menschen einzusammeln, die dann als Beispiel für die menschliche Rasse von den Außerirdischen, die Rama erschufen, in ihrem Alltag untersucht werden sollen. Um die Charaktäre einzuführen wird sich in Garden of Rama sehr viel Zeit gelassen und es ist nicht immer leicht, sich all die Personen zu merken.
Die Regierungen auf der Erde halten die Botschaft geheim, daß sie 2000 Menschen ausliefern sollen, und erweitern eine geplante Besiedlungsmission des Mars einfach um 2000 Personen, die sie zu einem großen Teil aus Strafgefangenen rekrutieren, die dafür ihre Strafe erlassen bekommen. Als dann unweigerlich klar ist, daß das zurückgekehrte Rama-Raumschiff real ist, wird die Mission einfach umgeleitet und die Population an Bord gebracht, woraufhin Rama wieder in den Tiefen des Weltraums verschwindet.
Die Außerirdischen haben dafür das innere des Raumschiffs völlig umgebaut und die Größe und zylindrische Konstruktion Ramas kommt irgendwie gar nicht mehr zum tragen und scheint auch die Bewohner nicht zu beeinflussen. Diese vergessen auch sehr schnell, daß sie eigentlich nur Versuchskanichen sind, und das Leben nimmt seinen Lauf. Es wird eine Regierung gebildet, zu der viele Mitglieder der ursprünglichen Rama-II-Besatzung gehören, und Schulsysteme und ähnliches aufgebaut. Seltsamerweise, obwohl eigentlich alles von den Ramanern per Technologie zur Verfügung gestellt wird, gibt es offenbar Geld und damit auch Kriminalität bis hin zu Drogenkartellen und Zuhälterei, was nach kurzer Zeit alles in der Hand eines einzigen Maffiabosses liegt. Dieser spielt sich dann zum Gegenpart der Regierung auf und stürzt diese am Ende des dritten Rama-Bandes auch durch Mord und Verhaftungen.
Ich finde, wenn sich die Autoren schon so viele Gedanken zu Physik, Kultur und persönlichen Entwicklungen gemacht haben, hätten sie nicht versäumen sollen, auch darüber nachzudenken, wie ein so kleines wirtschaftliches System denn funktionieren könnte, was ich komplett vermisse.
Wenn auch die Personen und ihre Interaktionen auf Charakterebene unglaublich gut ausgearbeitet sind und die Interaktionen alle plausibel erscheinen, so verkommt die Reihe, die eigentlich in einer Art Mysterie-Science-Fiction startete doch nahezu schon zu einer Familienclan-Serie. Die tatsächliche Umwelt von Rama tritt sowohl für die Protagonisten als auch den Leser in den Hintergrund.
Der dritte Band endet mit einer traurig schönen Szene, Nicole De Jardin, die tragende Hauptfigur der letzten drei Bände, ist verhaftet und zum Tode verurteilt. In einem ihrer mystischen Träume, die ihren Charakter schon im zweiten Band bestimmten, verabschiedet sie sich von ihren Kindern und ihrem Mann und das Buch läßt zwar offen, ob ihre Exekution durchgeführt wird, aber man bekommt als Leser glaubhaft die Ruhe vermittelt, die De Jardins erfährt und es ist dadurch kein typische Cliffhanger.
Im vierten und abschließenden Band der Rama-Reihe steigert sich die menschliche Testbevölkerung noch weiter in ihre zerstörerischen Tendenzen hinein und der Maffia-Boss gründet eine Armee und greift die beiden außerirdischen Rassen an, die auf Rama in anderen dort errichteten Habitaten leben.
Die erste Rasse überrollen die Menschen chancenlos, doch an der zweiten beißen sie sich lange die Zähne aus, bis diese so gereizt sind, daß sie zurückschlagen wollen und dann - bricht der ganze Mysterie-Aufbau der Reihe in sich zusammen. Die Rama-Erschaffer treten zwar nicht tatsächlich persönlich in Erscheinung, greifen aber ein. Sie beenden das Experiment und trennen die im Krieg befindlichen Rassen.
Ein schönes Gedankenexperiment ist diese zweite außerirdische Rasse. Einzelne Exemplare waren schon aus dem ersten Band bekannt, doch damit es paßt, waren daß natürlich Individuen aus einer abgespaltenen Minderheit ohne die hohe Moral dieser jetzt agierenden "Oktospiders". In deren Gesellschaft gilt die Maxime, daß jeder sich einzubringen hat und sein Wohl dem Wohl der gesamten Bevölkerung unterzuordnen hat, bis hin zum eigenen Tod, wenn man der Oktospider-Gesellschaft keinen Nutzen mehr bringt. Sie haben auch ein Gesetz, daß Krieg immer nur das letzte Mittel der Wahl sein darf und dieser Weg nur dann eingeschlagen wird, wenn wirklich keine andere Wahl besteht. Um das durchzusetzen, wird nach Abschluß der Kampfhandlungen jede einzele Oktospider hingerichtet, Soldat wie Politiker, die irgendwie mit dem Krieg in Verbindung stand, da sie sagen, der Krieg verändere den Charakter, und solche Individuen können nachher keine friedliche Bevölkerung mehr bilden.
Trotz der schlechten Erfahrungen im ersten Band und der Unterschiede freundet sich die Heldin De Jardins - die natürlich von ihrem Mann aus der Todeszelle gerettet wurde - und ein Teil ihrer Familie mit den Oktospiders an, bei denen sie Asyl finden, nachdem sie von der Militärregierung der menschlichen Population geflohen sind.
Nach Beendigung des Experiments kommt das Rama-Raumschiff an einer großen Station an, in der die Rama-Erschaffer ihre Daten sammeln und auswerten. Hier entscheidet sich De Jardins dafür, natürlich an Alter zu sterben und nicht technisch auf Dauer am Leben gehalten zu werden.
In einem letzten klärenden Gespräch mit einem von den Ramanern extra dafür geschaffenen bionischen Roboter wird De Jardins in viele Geheinissse der Ramaner eingeführt und ihr werden Teile der Datensammlung vorgeführt. Hier kommt es zu dem nahezu peinlichen Ende der Reihe. In der Station treffen sie wieder auf den schon im zweiten Band eingeführten gläubigen Katholiken, und dessen Glaube spielt wieder eine Rolle. Arthur versucht nun eine Lösung für den Konflikt zwischen dem tiefgläubigen Michael und der überzeugten atheistischen Naturwissenschaftlerin Nicole durch Erklärungen der Außerirdischen zu lösen: Gott, der nicht weiter definiert wird, schuf und schafft nicht nur ein Universum, sondern viele und schaut dann, ob diese sich zu einem Zustand der "Harmonie" hin entwickeln, ohne in der Zwischenzeit mehr einzugreifen, als nur durch so eine Rasse wie die Erschaffer von Rama beobachten zu lassen. Mit dieser "Lösung" kann dann der Katholik leben und die Wissenschaftlerin beruhigt sterben. Ich finde dieses Ende kitschig und halte es für einen billigen Versuch, die heute bestehende Kluft zwischen Religion und Naturalismus zu überbrücken.
Dennoch sind die Bände unter anderem wegen ihrer sonstigen Gedankenexperimente lesenswert.

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